Seitdem ich mit meinem Weingeschäft vor 9 Jahren in Wolbeck ortsansässig wurde, werde ich des Öfteren gefragt, wie ich denn zum Wein gekommen sei. Mich führt das direkt zu der Frage: "Was bedeutet mir Wein?"

Für mich persönlich ist Wein weit mehr als nur ein geschmackvolles Getränk. In seiner unglaublichen Vielfalt ist Wein für mich ein Stück Lebensfreude, ein Tor zu einer Welt überaus interessanter Menschen und Eindrücke, Kulturgut und Lehrmeister. Auch hängen viele, für mich, kostbare Erinnerungen daran.
Nach einem anstrengenden Tag liebe ich es, mir und meinem Mann ein gutes Glas Wein zum Abendessen einzuschenken. Ich genieße den magischen Augenblick, wenn ein guter Wein seine Aromatik nach reifen Pfirsichen, tropischen Früchten oder auch Cassis im Glas entfaltet und sich dann beim ersten Schluck am Gaumen manifestiert.
Dieser Duft weckt auch direkt Erinnerungen an gemütliche Stunden mit meiner Freundin in einem Weinstübchen namens "Weinkrüger" zu meiner Osnabrücker Zeit. Da waren wir beide so um die 20 Jahre alt und es gab Müller Thurgau lieblich mit einem Korb Brot. Damals verstand ich noch nicht viel vom Wein - das habe ich erst sehr viel später bei einem in Deutschland noch wenig bekanntem, aber international führendem Institut für Weinausbildung, der „Wine and Spirit Education Trust“ nachgeholt.
 
Aber schon zu der Zeit versuchte ich mich in der Weinherstellung mit den Johannisbeeren aus dem heimischen Garten. Selbstverständlich ökologisch korrekt angebaut. Das Ergebnis allerdings legte mir nahe, das Keltern doch lieber den Profis zu überlassen.  

Wenn ich aber so darüber nachdenke, ist mir das Thema Wein aber schon sehr viel früher begegnet. Eigentlich bin ich schon von Kindesbeinen an damit in Berührung gekommen. Wie oft habe ich als Kind Gleichnissen gelauscht, die im   Zusammenhang mit dem Rebstock, dem Wein oder dem Weinberg stehen - sowohl als göttliche Segenszeichen wie auch bei Gerichtsandrohungen. Natürlich ist mir dabei das erste Wunder, das Jesus wirkte, das Weinwunder auf der Hochzeit zu Kana, besonders in Erinnerung geblieben.
   
Der Wein spielt nicht nur eine wichtige Rolle in der Bibel und im Abendmahl der christlichen Kirche. Er begegnet uns auch in unzähligen Spuren der Kulturgeschichte der Menschheit. In der griechischen und römischen Mythologie war und ist er als Göttergetränk, den Göttern Dionysos und Bacchus gewidmet. In anderen Kulturen findet er sich als Grabbeigabe. Auch wurde Wein zu medizinischen Zwecken verwendet. Weinbau und Weintrinken gehören zu wichtigen Kulturgütern der Menschheit.
 
Nicht vergessen möchte ich auch die Menschen, die mir seitdem begegnet sind, und mit denen ich so en passant im Geschäft ins Gespräch kam. Von so mancher Lebensgeschichte habe ich erfahren, die vom Tod des Partners, Leid, aber auch wiedergefundener Freude erzählt.
 
Genau DAS bedeutet Wein für mich. Es ist weit mehr als nur ein Getränk. Wein ist ein Abenteuer, das bildet, fordert, das Freude macht und Freunde bringt. Es ist faszinierend, die Menschen, die das "Kunstwerk Wein" durch harte und ebenso professionelle Arbeit erschaffen, kennenzulernen - und hochspannend, wie sie über ihr mit Liebe und Leidenschaft geschaffenes "Weinwerk" zu erzählen wissen.  

Mir ist bekannt, dass es in der Kirche sehr unterschiedliche Standpunkte zum Thema Wein gibt. Vielleicht sollten wir den harten Kritikern im Sinne von Konstantin Weckers Aussage: „Wer nicht genießt, wird ungenießbar“ - wie Paulus dem Timotheus - empfehlen, etwas Wein zu trinken.

PS: Der Rebstock gehört zu den ältesten Kulturpflanzen überhaupt. Die ältesten Zeugnisse der Weinherstellung stammen nach dem heutigen Stand der Wissenschaft aus Georgien (ab 6000 vor Christus). Und wussten Sie, dass die ersten Wildreben schon vor 80 Millionen Jahren Ihr Terrain mit den Dinosauriern teilten - Wein in der Bibel über 200mal erwähnt wird und Noah Winzer war? Mir war letzteres jedenfalls bisher entgangen.